Nik Frey

Meine Geschichte.
Mein Weg raus.

Aller Anfang von Pornosucht ist harmlos

Fast jeden Tag – meistens mehrmals und stundenlang – während mehr als 15 Jahren. Was aus Neugierde begann, hat für mich in einem mentalen und körperlichen Zusammenbruch geendet. Die Pornosucht hatte mich besiegt.

Immer wieder habe ich mich gefragt: „Wie konnte es nur soweit kommen? Was habe ich mir bloß angetan?“ Von außen betrachtet war ich erfolgreich, beruflich wie auch privat: Aufgewachsen in einem mehrheitlich intakten und liebevollen Umfeld, beliebt bei Freunden und Frauen, immer sportlich aktiv und vielseitig interessiert. Nach meinem BWL-Studium habe ich im HR-Consulting und später im Investment Banking gearbeitet, wo ich für mehrere Jahre als Personalleiter des Börsenhandels tätig war.

Zu Beginn war mein Pornokonsum harmlos. Fantasien auszuleben war einfach aufregend und spannend. Jahre später hatte sich der Konsum aber schleichend automatisiert und die Neugierde wurde zur Gier nach immer mehr. Immer heimlich und zunehmend mit Scham und Schuld behaftet – ich ahnte bereits, dass etwas nicht mehr stimmte.

Keine Kontrolle – keine Motivation

Später wollte ich zwar mehrmals damit aufhören, doch ich schaffte es einfach nicht. Ich hatte die Kontrolle verloren. In dieser Zeit habe ich mich zunehmend isoliert und meine Familie, Freunde, Beziehungen sowie meine Gesundheit vernachlässigt. Die Pornosucht gehörte nun zu meinem Leben und die Auswirkungen waren allgegenwärtig. Ich funktionierte im Alltag, aber hinter dem Schein klaffte ein dunkles Loch.

Die Sucht hat mir den Willen geraubt, für meine Gesundheit zu sorgen und mich psychisch und körperlich krankgemacht. Ich hatte keinerlei Motivation oder Sinn mehr für das Leben. Ich war frustriert, wütend, einsam, verloren. Vor meinem Zusammenbruch fühlte ich mich wie ferngesteuert. Ich war der Sucht machtlos ausgeliefert. Ich masturbierte, obwohl ich gar nicht mehr wollte. Die Erregung kam immer erst mit den Pornos.

Ich wusste einfach nicht, wie ich dieses Problem angehen sollte und war verzweifelt. Zu sehr habe ich mich dafür geschämt, um Hilfe annehmen zu können. Ich ging immer sehr hart mit mir ins Gericht und glaubte, es alleine schaffen zu müssen. Dabei habe ich so unglaublich viel Lebensenergie verschwendet und brach zusammen.
Burnout – Pornout!

Katharsis auf Bali

Meinen Wendepunkt fand ich auf meiner Heilungsreise in Form einer mir bis dahin noch unbekannten Methode, genannt „Breathwork“, welche ich durch Zufall auf Bali kennen lernte. Diese tiefe verbundene Atmung wurde zu einem kathartischen Erlebnis für mich. Ich begann zu weinen – nein, hemmungslos zu heulen und konnte nicht mehr aufhören. Mein ganzer Körper zitterte, als ob sich meine aufgestaute Anspannung, all die Schmerzen und die Einsamkeit der letzten Jahre, ihren Weg aus meinem Körper bahnten. Noch nie in meinem Leben hatte ich so intensiv gefühlt. Das war mein Befreiungsschlag. In jenem Moment wusste ich: Ich bleibe auf Bali und mache die Ausbildung zum Breathwork-Lehrer.

Diese herausfordernde Aufgabe, mein Lehrer und die neuen Freunde in der Ausbildungsgruppe, wurden zu den zentralen Elementen in meinem Heilungsprozess. Ich hatte plötzlich wieder eine Aufgabe die mich begeisterte und ein soziales Umfeld, das mir Zuneigung schenkte. Das war das Beste was mir passieren konnte, um mein Suchtverhalten zu heilen.

Meine zweite Chance

Um andere Menschen durch einen tiefen Prozess wie Breathwork führen zu können, musste ich mich intensiv mit meiner eigenen Geschichte und meinen Gefühlen auseinandersetzen. Ich habe gelernt, unbewusste Verhaltensmuster zu erkennen und aufzulösen, zu vergeben und mich wieder zu lieben.

Mein Leben kam dadurch zunehmend wieder in den Fluss. Bali wurde zu meiner zweiten Heimat. Ich fand eine neue Liebe und durfte in einer wunderbaren Gemeinschaft leben. Ich habe getanzt, gesungen, geatmet, meditiert und mich wieder in das Leben verliebt – ein Hochgefühl, das jeden Suchtrausch in den Schatten stellt..)

Ich habe eine zweite Chance auf ein erfülltes Leben bekommen und bin aus tiefstem Herzen dankbar für die Erfahrungen, die ich machen durfte. Die Arbeit mit der Sucht wird mich möglicherweise noch lange begleiten. Heute weiß ich aber: Heilung ist möglich – unabhängig davon, wie verzweifelt man mitten in der Sucht ist.

7-Tage-Intro

Wissen, was dich erwartet